Die Verbraucher haben sich so sehr an den Online-Einkauf gewöhnt, dass sie immer öfter auch auf ausländischen E-Commerce-Seiten nach etwas Passendem suchen. Fast 70 Prozent aller Verbraucher weltweit sagen, im vergangenen Jahr in ausländischen Webshops etwas online gekauft zu haben. Auch wenn Cross-Border-Shopping weltweit auf dem Vormarsch ist, lassen sich trotzdem einige bemerkenswerte regionale Unterschiede feststellen.

Europa bleibt in Komplexität stecken
Europa darf sich zwar weltweit zu den Spitzenreitern im Online-Handel zählen, der Cross-Border-E-Commerce ist aber immer noch eine harte Nuss. Europa bleibt ein Flickwerk aus nationalen Online-Märkten, in denen Cross-Border-Transaktionen eine komplexe Angelegenheit sind. So können europäische Verbraucher nicht ausreichend die Vorteile bei Preisen und Auswahl nutzen, die ein Binnenmarkt eigentlich bieten sollte. Diese europäischen Beschränkungen spiegeln sich daher auch im Cross-Border-Verbraucherverhalten wider. Aktuellen Zahlen der Europäischen Kommission zufolge, haben 2014 nur 15 Prozent der europäischen Verbraucher in ausländischen Webshops eingekauft. Ein europäischer E-Commerce-Binnenmarkt, in dem Verbraucher Zugang zu einer breiten Palette an europäischen Produkten und Dienstleistungen erhalten, würde für die Verbraucher in Europa eine jährliche Einsparung von gut und gern 11,7 Milliarden Euro bedeuten.

Die Kosten für das grenzüberschreitende Angebot von Produkten und Dienstleistungen sind für Internethändler hoch. Die Europäische Kommission veröffentlichte Zahlen, die besagen, dass ein kleiner Internethändler schnell zusätzlich 9.000 Euro zahlt, um die Vorschriften und Gesetze eines anderen EU-Landes zu erfüllen. Es kommen noch weitere 5.000 Euro für jedes Land dazu, in dem der Internethändler die Umsatzsteuerrichtlinie einhalten möchte.

Außerhalb Europas
Unangefochtene Spitzenreiter beim Onlinekauf sind die Israelis. Nicht weniger als 90 Prozent der israelischen Verbraucher sagen, bereits bei internationalen Einzelhändlern eingekauft zu haben. Aber auch in Singapur und Hongkong wissen die meisten Online-Shopper, wie sie in ausländischen Webshops einkaufen können. In den USA zeigen die Verbraucher dem Internethandel im Ausland gegenüber eher Zurückhaltung. Allerdings fällt auf, dass junge Amerikaner doppelt so oft in ausländischen Webshops einkaufen wie die über 45-Jährigen. Verbraucher auf der ganzen Welt werden anscheinend überwiegend von der geringen Liefergeschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit davon abgehalten, öfter in ausländischen Webshops einzukaufen. Gerade in China, Indien und Hongkong sind es genau diese Faktoren, die ein Cross-Border-Kaufverhalten ausbremsen. Auch in Deutschland und den Niederlanden sagen fast 60 Prozent der Verbraucher, dass sie gern öfter in ausländischen Webshops einkaufen würden, wenn dies schneller und leichter ginge.

Auch wenn es darum geht, wie E-Shopper ihre Bestellung gern erhalten möchten, lassen sich regionale und internationale Unterschiede feststellen. Die Lieferung nach Hause oder ins Büro ist immer noch am beliebtesten. Allerdings werden auch andere Optionen zunehmend interessanter. In Großbritannien haben zwei Drittel der Verbraucher bereits ihre Onlinebestellungen an Abholstellen abgeholt, während in Frankreich die Abholung einer Bestellung im örtlichen Ladengeschäft immer beliebter wird. Deutsche Internetkäufer werden zunehmend mit der Abholung an Packstationen vertraut. In den USA und in Kanada verläuft der Start mit „Click and Collect“ eher zäh. Derzeit werden zahlreiche Pilotversuche durchgeführt. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Verbraucher dieses Einkaufsmodell in großem Umfang akzeptieren. Auch in Asien steigt die Zahl der Einzelhändler ständig, die ihren Kunden Abholstellen anbieten. Man geht davon aus, dass je mehr die Infrastruktur des Einzelhandels weiter ausgebaut wird, sich dieser Trend auch stärker durchsetzen wird.

Mobil einkaufen und Social Media im Aufschwung
Wer den E-Shopper in China oder Indien erreichen will, muss sich auf den mobilen Einkauf konzentrieren. Während weltweit 40 Prozent der Online-Shopper ein Viertel ihrer Ankäufe auf dem Smartphone tätigen, beläuft sich dieser Anteil in China auf nicht weniger als 80 Prozent. Indien nimmt mit 65 Prozent Rang Zwei ein. In Europa ist die Zahl der Verbraucher, die darüber nachdenkt, mehr mobil einzukaufen, deutlich niedriger. In Deutschland und den Niederlanden hatten das für 2015 etwas mehr als 20 Prozent vor, in Großbritannien lag dieser Anteil mit etwa 30 Prozent etwas höher. Vor allem die Ansicht, dass sich der mobile Einkauf nicht so schnell und einfach wie das gewöhnliche Online-Shoppen erledigen lässt, steht einer zügigeren Akzeptanz dieses Einkaufsmodells im Wege.

Aber auch der Einfluss der Social Media auf das Einkaufsverhalten des Online-Verbrauchers steigt weltweit. Einer aktuellen Studie von PwC zufolge hat über die Hälfte der Befragten angegeben, dass Facebook bei ihren Online-Einkäufen eine Rolle spielt. Auch dabei ergeben sich wieder deutliche regionale Unterschiede. Während in China die sozialen Netzwerke nahezu ein inhärenter Teil des Online-Shoppings sind, ist es in Europa gerade umgekehrt. Die Mehrzahl der Befragten in Frankreich, der Schweiz, Deutschland, und Großbritannien, lässt sich beim Kauf nicht oder kaum davon beeinflussen, was man in den sozialen Netzwerken dazu lesen kann.

Die Messlatte ist hoch
Das Potential für Cross-Border-E-Commerce ist ausgesprochen groß. Der steigende Reifegrad des Online-Kaufverhaltens erhöht die Attraktivität ausländischer E-Shops für zahlreiche Verbraucher. Online-Händler, die vom Potenzial des Cross-Border-E-Commerce profitieren möchten, müssen gut vorbereitet sein und von Anfang an auf die regionalen Unterschiede eingehen. Denn eines steht außer Frage: Der Verbraucher erwartet, wo auch immer auf der Welt, einen perfekten Service sowie ein ungetrübtes Einkaufserlebnis, unabhängig davon, ob er in einem stationären Laden, in einem Webshop oder mobil einkauft.

 

Quellen:
Dyn – 2015 Report: Global Consumer Online Shopping Expectations
Global PwC 2015 Total Retail Survey
European Commission – The Digital Single Market

 

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